Von Bad Rappenau nach Südafrika – Klaus Harder berichtet über Gesundheitsprojekt in Malebogo

22. Dezember 2019  Allgemein, Demokratie, SLK/Gesundheit, Soziales

Klaus Harder in Malebogo, dem schwarzen Stadtteil von Hertzogville/Südafrika.

Mit Genehmigung drucken wir den FB Bericht von Klaus Harder hier ab über seine Arbeit für den SES (Senior Experten Service)und das Lesedi Hospice:

Hertzogville/Freestate/Südafrika. Nach 4 Wochen Projektarbeit für den SES verlasse ich Malebogo, den schwarzen Stadtteil von Hertzogville mit gemischten Gefühlen. Das Elend hier ist geprägt von der Geschichte Südafrikas. Die Wunden der Apartheidpolitik sind nach 25 Jahren längst nicht vernarbt. Dazu kommen die sichtbaren Auswirkungen der globalen Erwärmung. Die einst so fruchtbaren Felder der weißen Farmer, die diese sich durch Vertreibung und Inbesitznahme angeeignet haben, können auf Grund der langen Trockenperioden und der Hitze immer weniger bewirtschaftet werden. Für die schwarzen Arbeiter fallen die Jobs weg, die traditionell hohe Arbeitslosenquote steigt und liegt um die 80%. Der Mais als Hauptnahrungsmittel der Black Community wird immer teurer. Die knapp 200 Weißen leben von den 9000 Schwarzen in allen Lebensbereichen strikt getrennt: von der Kita über die Schule bis zu den Friedhöfen. Gesha, ein Arbeiter bei Lesedi Hospice, einer NGO, für die ich arbeitete, berichtet mir stolz von seinem schönsten Moment seines Lebens: als er erstmals 1994 zur Wahl gehen durfte und natürlich den ANC mit Nelson Mandela wählte. Vom ANC ist er heute enttäuscht, trotzdem sei sein Leben nun besser als zu Zeiten der Apartheid. Aber „the whites don’t change their mind, not at all.“ Kein Tag, ohne dass ich diesen Rassismus nicht im Alltag bemerkte. Eine bedrückende Atmosphäre. Die Armut äußert sich in Malebogo als greifbares Elend. Alkoholismus, Drogen, Diebstahl, vernachlässigte Kinder und Schmutz bestimmen das Straßenbild. In Hertzogville, benannt nach ersten Premierminister und Rassisten JBM Hertzog, sind die an für reiche Weiße bessere Zeiten erinnernde Villen der Buren am Verfallen und ihre Besitzer spiegeln das in ihrem persönlichen Erscheinungsbild teilweise wider. Südafrika wirkt im ärmsten Distrikt des Landes tief gespalten, unvereinbar zerrissen, hoffnungslos. Weiße fühlen sich von den Schwarzen diskriminiert und bedroht. Gegenseitiger Rassismus? Die öffentliche Infrastruktur wird kaum noch aufrechterhalten. An was liegt es? Korruption, sagen diesmal alle übereinstimmend. Lesedi Hospice kümmert sich um die ambulante Pflege Kranker, darunter vieler HIV Patienten, schickt parents educator in die Häuser und Hütten, unterhält eine Creche (Kita) und beteiligt sich an einem Regierungsprogramm zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser – derzeit sind 450 überwiegend junge Menschen im Einsatz. Das Geld kommt aus Spenden und aus Regierungsprogrammen. Es ist viel zu wenig und zudem unsicher. Ich habe alle Arbeitsteams begleitet, um dann die leitenden Mitarbeiter*innen von Lesedi zu schulen, Wissen und Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten. Wie so oft sind es die Frauen, die voran gehen. Sie verdienen deutlich unter dem Mindestlohn, ihr Einsatz ist befristet, das wenige Geld kommt meistens verspätet und unvollständig, aber es ist die Leidenschaft für ihre Black community, die Solidarität untereinander, die sie treibt. Eine leise Hoffnung in diesem Elend? We stay in touch – Gosiami (wie man hier auf setswana sagt) – machts gut!


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